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Internationales Filmfestival Beijing: Ang Lee über die Filmschaffung
        
2020-08-31 08:07 | CRI

 

Im Rahmen des laufenden 10. Internationalen Filmfestivals Beijing fand am Mittwoch eine Master-Klasse für junge Regisseure statt. Der namhafte Regisseur Ang Lee hat in Form eines Online-Videostreams dabei einen Vortrag zur orientalischen Ausdrucksweise und Digitaltechnologien gehalten.

Ang Lee zufolge ist eine Verknüpfung beider Elemente in der chinesischen Filmindustrie notwendig, zugleich aber auch „irgendwie schwierig“. Alle neuen Technologien, darunter Digitaltechnologien, seien am Ende Medien für Filme, so der bekannte Regisseur. Im Vergleich dazu sei der Filminhalt viel wichtiger. Er persönlich sei nicht so vertraut mit neuen Technologien. Mit dem modernen Smartphone könne er peinlicherweise nur telefonieren.

Bei der Verwendung neuer Technologien solle man eine neue Ausdrucksweise finden, um das Drehbuch eng mit der Technologie zu verbinden, sagte Ang Lee. Beim Dreh seines ersten 3D-Films – „Life of Pi“ – im Jahr 2012 habe er sich plötzlich unfähig gefühlt, die Geschichte filmisch zu schildern, da die Darstellung der Schauspieler in 3D völlig anders aussehe als bei herkömmlichen 2D-Filmen. Beim Dreh von 3D-Filmen müsse die Darbietung der Schauspieler vergleichsweise subtil und impliziert sein. Es solle „ein gewisses Gefühl der Unsicherheit im unbewussten Zustand der Schauspieler“ festgehalten werden.

In allen Produktionen von Ang Lee ist eine Mischung von östlichen und westlichen Kulturen spürbar. Er sagte, die orientalische Kultur sei vergleichsweise impliziert und traditionsgemäß und strebe nach Harmonie zwischen Mensch und Natur. Im Gegensatz dazu stelle die europäische Kultur gewöhnlich das Individuum in den Vordergrund und sei daher viel geeigneter, Geschichten zu erzählen, da es oftmals um die Veränderungen der Welt durch die Menschen gehe. Daher hänge jegliche Inszenierung, die orientalische Charakteristika aufweise, von innovativen künstlerischen Konzeptionen ab.

Auf die Verfilmung von Romanen angesprochen sagte Ang Lee, Film dürfe keinesfalls die reine Übersetzung eines Romans sein. Filme seien im Vergleich zu Romanen viel anschaulicher und deshalb in der Lage, in Worten schwer beschreibbare Dinge zu inszenieren. Ein guter Film könne Zuschauern immer den Impuls verleihen, die geäußerten Gefühle und Gedanken auch nach seinem Ende rückblickend zu erleben.

Im Verlauf der Master-Klasse hat An Lee auch die Fragen mehrerer Regisseure beantwortet. Der Regisseur Yang Zi feiert bald seinen 40. Geburtstag und fragte, wie Ang Lees Geisteshaltung in diesem Alter gewesen sei. Ang Lee verwies auf eine Weisheit von Konfuzius, dass man in seinen 40ern nicht verwirrt sein oder Zweifel haben sollte. Diese Weisheit treffe auf Kunstschaffende nicht zu, so der berühmte Regisseur.

Gerade in Filmen seien Verwirrungen faszinierend und mitreißend. Regisseure, die selbst nicht verwirrt seien, könnten nur langweilige und didaktische Filme drehen. Als Künstler solle man mit Dingen konfrontiert sein, die einem schwerfielen und verwirrten. Verwirrungen seien kostbar. Man solle sie lösen und auf künstlerische Weise zum Ausdruck bringen.

Das Internationale Filmfestival Beijing veranstaltet traditionsgemäß jedes Jahr eine Master-Klasse, die den Teilnehmern die Möglichkeit bietet, Regisseure aus der ganzen Welt kennenzulernen und sich mit Exponenten der Filmindustrie zu vernetzen.

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