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Ein neuer Bericht von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung würdigt die Bemühungen der chinesischen Regierung um eines ihrer schwierigsten sozialen Probleme: Der Einkommensunterschied zwischen Arm und Reich in China verkleinert sich seit den vergangenen Jahren.
 Junge Chinesen gehen auf einer Straße in Beijing an einem Bettler vorbei. Die von der Weltbank festgesetzte Armutsgrenze liegt bei einem Einkommen von unter zwei Dollar pro Tag.
Der Einkommensunterschied zwischen Arm und Reich in China verkleinert sich seit den vergangenen Jahren und scheint in der Vergangenheitüberschätzt worden zu sein, heißt es in einem am Dienstag von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung(OECD) veröffentlichten Bericht. Während der Bericht einerseits andeutet, dass die Bemühungen der chinesischen Regierung um eines ihrer schwierigsten sozialen Probleme weltweit immer mehr anerkannt werden, stellen einige Experten die Ergebnisse des Berichts mit Blick auf die Hauptpunkte in Frage, die ihrer Meinung nach die Regierung weiter anpacken muss, um den Unterschied zwischen Arm und Reich zu verkleinern.
In dem Bericht heißt es, dass die immer höheren Sozialinvestitionen für die Bewohner in den ländlichen Gebieten und die wachsende Abwanderung in die Städte dazu beigetragen hätten, die steigende Ungleichheit im Land abzuschwächen. Richard Herd,Ökonom bei der OECD, bekräftigte am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Beijing, dass die Abwanderung von ländlichen Bewohnern zur Arbeitssuche in die Stadtgebiete diesen dazu verhelfe, ihr Einkommen drastisch zu erhöhen.
Einkommensunterschiede werden mit dem Gini-Index gemessen, der von null bis hundert geht, wobei null als vollkommene Gleichheit, hundert als völlige Ungleichheit und 40 als Warngrenze zählt. Wissenschaftlern der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften zufolge stand der Gini-Index 2005 bei 49,6. Jedoch setzte die OECD den Index 2005 auf 41 beziehungsweise 2007 auf 40,8 fest, und zwar auf Basis eines ihrer Ansicht nach besseren Maßstabs von Preisänderungen und unregistrierten ländlichen Wanderarbeitern in Städten.
Wu Yaowu, Lehrbeauftragter am Institut für Bevölkerungs- und Arbeitwirtschaft der Akademie, erklärte gegenüber Global Times, dass es möglich sei, dass sich der Anstieg an Ungleichheit in China in den vergangenen Jahren abschwäche."Der Einkommensunterschied in China ist von internationalen Organisationen und sogar Regierungsforschern in der Vergangenheitüberschätzt worden, weil sie nicht die ländliche Bevölkerung, die in die Städte abgewandert ist, mit einberechnet haben. Schließlich ist es auch schwierig, ihr Einkommen zu berechnen", so er.
Seit 2004 gibt es eine deutliche Knappheit an Arbeitskräften in den Städten– eine Tendenz, die dazu beigetragen hat, dass das monatliche Einkommen von Wanderarbeitern von zwischen 300 und 600 Yuan, oder 30 und 60 Euro, im Jahr 2002 auf zwischen 1200 und 1500 Yuan heute gestiegen ist. Wu erklärt, da ländliche Wanderarbeiter in den Städten mehr als solche in deren Heimatorten verdienten, könne ihr Einkommenslevel dazu genutzt werden, die Zahl abzuschwächen, sofern sie in die Berechnung einbezogen würde."Es bestehen keine Zweifel daran, dass China einen unglaublichen Fortschritt in den vergangenen Jahren gemacht hat, um die Menschen aus der Armut zu holen", meint Wu."Es wird keine Gruppe in der sozialen Schicht geben, die dabei benachteiligt wird, an den Erfolgen der Entwicklung Chinas teilzuhaben."
In den vergangenen zehn Jahren hat sich das BIP von China von 9,9 Billionen Yuan im Jahr 2000 auf 33,53 Billionen Yuan im vergangenen Jahr verdreifacht, und das Pro-Kopf-BIP ist von 7858 Yuan auf rund 20.500 Yuan gestiegen, womit das Land auf den Weg zur zweitgrößten Wirtschaft der Welt gebracht wurde. Gao Huiqing vom Amt für Wirtschaftsprognosen beim Staatlichen Informationszentrum weist darauf hin, dass die Wahrnehmung der Leuteüber den wachsenden Wohlstandsunterschied durch ihre Denkweise in die Irre geleitet wird, dass die Reichen immer Reicher werden."Aber Realität ist, dass das Einkommen der Armen schneller steigen muss als das der Reichen", meint er.
In dem OECD-Bericht wird außerdem darauf hingewiesen, dass der Einkommensunterschied in China größer ist als in den USA und anderen Industrieländern, aber geringer als in Entwicklungsländern wie Vietnam. Hong Lin, Wanderarbeiter in Chongqing, der 2000 Yuan pro Monat durch Arbeit auf dem Bau verdient, erzählt, er träume davon, eine Vietnamesin zu heiraten, da er meint, er könne in dem Land, in dem das Monatseinkommen rund 500 Yuan betrage, ein reicher Mann sein, wie Chongqing Evening News vor kurzem berichtete.
Trotz der ermutigenden OECD-Zahlen und Optimismus unter einigen Experten gegenüber dem sich verringernden Einkommensunterschied ist eine große Zahl an Leuten immer noch unzufrieden mit ihrem Einkommen. Die Zahl der Menschen, die in Armut leben, liege bei rund 40 Millionen, gemessen an der Armutsgrenze in China von 1196 Yuan pro Jahr, und diese Zahl könne auf fast 100 Millionen steigen, wenn man nach dem internationalen Standard von zwei US-Dollar pro Tag rechne, der von der Weltbank festgelegt worden ist, so Li Shi, Professor mit Spezialisierung auf Einkommensungleichheit und Armut bei der Pädagogischen Universität Beijing.
Fei Long, ein 28-jähriger Bauer in Jingyuan, einem verarmten Kreis in der nordwestchinesischen Provinz Gansu, erklärte gegenüber Global Times, dass er, obwohl er in einer Kohlemine arbeite, immer noch ausgeschlossen sei vom wachsenden Wohlstand, den viele Chinesen erleben, insbesondere solche in den Städten."Ich verdiene gerade mal knappüber 10.000 Yuan pro Jahr, aber mein Boss kann jährlich um die 30 Millionen Yuan machen", sagt er. Fei erzählt, neben seinem monatlichen Gehalt von rund 1000 Yuan genieße er keinerlei Vergünstigungen oder Krankenversicherung, außerdem stehe er unter dem ständigen Druck, seinen Arbeitsplatz zu verlieren wegen des Wettbewerbs unter den anderen Bewohnern seines Dorfes.
Die Regierung versucht seit mehreren Jahren, den ländlichen Gebieten zu helfen, den industriellen Boom, wie er in den Städten zu erleben ist, aufzuholen. Der neueste Plan vom Januar sieht vor, mehr Investitionen, Subventionen, finanzielle und politische Unterstützung in die weiten ländlichen Gebiete zu stecken.
Trotz dieser Bemühungen gibt es in China immer noch Probleme, das Einkommen von Bauern zu steigern und den Einkommensunterschied zwischen Arbeitern in städtischen und ländlichen Gebieten zu verringern. Vergangenen Monat vom Staatlichen Statistikamt veröffentlichte Zahlen zeigen, dass das Pro-Kopf-Einkommen von Menschen in den Städten sich 2009 auf 17.175 Yuan belief, das sind 8,8 Prozent mehr als im Vorjahr, während das Pro-Kopf-Einkommen von ländlichen Bewohnern vergangenes Jahr bei 5153 Yuan stand, und die Wachstumsrate lag 0,6 Prozentpunkte niedriger als die von Bewohnern in den Städten. Das Einkommensverhältnis zwischen städtischen Bewohnern und ländlichen Bewohnern betrug vergangenes Jahr 3,33 zu 1, im Vergleich mit 3,31 zu 1 im Jahr 2008.
"Die Abschaffung der fast 3000 Jahre bestehenden Agrarsteuer, die Einführung eines Versicherungsnetzwerks, das alle ländlichen Gebiete deckt, und das Tempo der Verstädterung haben dazu beigetragen, das Einkommen der Bauern zu steigern und den Einkommensunterschied zu verringern", so Ding Yifan, Wissenschaftler am Forschungszentrum für Entwicklung beim Staatsrat. Jedoch müsse die Regierung sich mehr um die Durchsetzung der Maßnahmen bemühen.
Shen Jie, Forscher der psychologischen Soziologie an der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften, wies außerdem darauf hin, dass Unterschiede zwischen Arm und Reich zwar in jedem Land auftauchten. Was aber eigentlich Grund zur Beunruhigung sei, sei wenn die Menschen die Hoffnung auf ein besseres Leben aufgäben."Die Regierung sollte mehr Ressourcen für weniger privilegierte Menschen anbieten, so dass diese sich nicht von der Gesellschaft entfremden", meint Shen.
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