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Grenzlinien für die nordkoreanische Atomwaffenfrage
2017-04-20
 

Die US-Regierung sollte einen flexiblen, multilateralen Standpunkt einnehmen, der Sicherheit und Frieden in der Region garantiert. China wird keinen „Regime Change“ in Nordkorea akzeptieren.

Der US-amerikanische Vizepräsident Mike Pence hat Nordkorea kürzlich hinsichtlich seines Atomwaffenprogramms eine klare Warnung gesandt, weder die Entschlossenheit der Regierung Trump, noch die Stärke der US-Streitkräfte zu prüfen. Pence sagte auch, dass „das Zeitalter der strategischen Geduld zu Ende“ ist. Dies sind zweifellos die härtesten Bemerkungen eines US-Spitzenbeamten gegenüber Nordkorea innerhalb der letzten Jahrzehnte.

Pence sagte, dass er durch erste Zeichen aus China ermutigt wurde, hoffend, dass Beijing „seinen außergewöhnlichen Hebel nutzen wird“, um Pjöngjang zur Aufgabe seines Kernwaffenprogramms zu drängen.

Pence sagte, dass „alle Optionen zum Erreichen der Ziele auf dem Tisch liegen“, und wiederholte damit die Warnung des US-Präsidenten Trump, wonach die Vereinigten Staaten nötigenfalls ohne China handeln würden. Er sagte zudem, dass Trump hoffnungsvoll sei, dass China „die notwendigen Maßnahmen ergreifen wird, um eine Änderung in der [nordkoreanischen] Politik hervorzurufen“. „Der Präsident hat allerdings sehr klar dargestellt, dass entweder China dieses Problem lösen wird, oder die Vereinigten Staaten und unsere Verbündete“, fügte er hinzu.

Änderungen wurden vorgenommen hinsichtlich der strategischen Faktoren gegenüber Nordkoreas Kernprogramm. China und die Vereinigten Staaten haben ihre Anstrengungen für eine Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen ausgeweitet. Außerdem hat China nicht nur seine Sorge über Pjöngjangs Atomtests geäußert und die Sanktionen der Vereinten Nationen unterstützt, sondern auch verständlich gemacht, dass es, falls Pjöngjang wesentliche Schritte gegen UN-Resolutionen unternehmen sollte, über eine Verstärkung der aktuellen Sanktionen nachdenken wird.

Es scheint so, als ob China und die Vereinigten Staaten zusammen den Entschluss gefasst haben, für die Lösung des wachsenden nordkoreanischen Kernwaffenproblems weitere Maßnahmen zu ergreifen. Die jetzige Sorge besteht in der Tatsache, dass die Chancen für eine Lösung dieser Frage drastisch sinken. Pjöngjang steht vor der strategischen Option, sich entweder auf eine Konfrontation einzulassen, was das Regime bedrohen würde, oder an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Beijing wird mit Washington zusammenarbeiten und seinen eigenen Grundsätzen treu bleiben. Beijing hat sich zum Ziel gesetzt, Pjöngjang durch gemeinsame Anstrengungen von der Entwicklung nuklearer und ballistischer Raketen abzuhalten. Sobald sich diese Situation legt, wird Beijing vermutlich auch strengere Maßnahmen gegenüber Nordkorea, wie das Verbot von Erdölexporten, verordnen. Es besteht sogar die Chance, dass Beijing einem möglichen Finanzembargo Nordkoreas durch die Vereinigten Staaten zustimmen könnte.

Die gemeinsamen Anstrengungen von China und den Vereinigten Staaten werden jedoch unter keinen Umständen zu irgendeiner Art von Militäraktion gegen Nordkorea führen. Beijing wird niemals mit Washington zusammenarbeiten oder es unterstützen, wenn es um die Anwendung von Lösungen geht, die militärische Gewalt gegen Pjöngjang beinhalten. Beijing wird auch keine erweiterten Maßnahmen Washingtons unterstützen, welche den direkten Sturz des Pjöngjanger Regimes zum Ziel haben.

Die Vereinigten Staaten haben nicht im Geringsten gezögert, China an ihre Hoffnung zu erinnern, dass das Land irgend eine Maßnahme nutzt, um Druck auf Nordkorea auszuüben. Wenn dies nicht funktionieren sollte, dann würden die Vereinigten Staaten zusammen mit ihren Verbündeten eigenständig handeln, um die Aufgabe zu erledigen. Der zu Grunde liegende Ton, wonach Beijing besser alle möglichen Zwangsmaßnahmen nutzen sollte, um Pjöngjang von seinem Atomprogramm abzuhalten, und im Falle eines Scheiterns die Truppen der Vereinigten Staaten sowie Südkoreas nach ihren eigenen Vorstellungen handeln würden, ist eindeutig.

Die Vereinigten Staaten sollten nicht auf dieser so genannten „ersten Stufe“ verharren und lediglich auf ein Wunder warten. Sanktionen vonseiten Beijings werden keine sofortigen Veränderungen in Pjöngjangs Atomprogramm hervorrufen. Wenn Washington außerdem nicht bereit ist, einen flexiblen Standpunkt einzunehmen, der Sicherheit und Frieden garantiert, werden seine bloßen Warnungen und Strafmaßnahmen Pjöngjang vielleicht dazu drängen, sich so gut wie möglich zu widersetzen. Um es mit einer alten Redewendung auszudrücken: Wenn die „Peitsche“ zum gewünschten Ziel führen soll, dann muss zur gleichen Zeit auch ein Stück „Zuckerbrot“ bereitliegen.

Eine Militäraktion gegen Nordkorea ist keine einfache Angelegenheit. Wenn der Militärschlag leicht ausfiele, würde Pjöngjangs militärische Macht intakt bleiben, und die südkoreanische Bevölkerung könnte einem Vergeltungsangriff ausgesetzt sein. Man kann nur hoffen, dass Washington in Seoul eine zweite Meinung einholt. Wenn der Militärschlag schwer ausfiele, die Truppen der Vereinigten Staaten und Südkoreas einen Krieg beginnen und versuchen würden, das Regime von Pjöngjang zu stürzen, dann würde die chinesische Bevölkerung ihrer Regierung nicht erlauben, passiv zu bleiben. Die Chinesen werden so etwas nicht geschehen lassen, insbesondere nicht auf dem Boden, wo die chinesische Freiwilligenarmee am Anfang der 1950er Jahre gekämpft hat. Das Land ist überzogen mit dem Blut chinesischer Soldaten, die tapfer gekämpft haben. Außerdem würde eine Einnahme Pjöngjangs durch die verbündeten Armeen der Vereinigten Staaten und Südkoreas die geopolitische Lage auf der Koreanischen Halbinsel drastisch verändern.

Die Probleme bezüglich der Koreanischen Halbinsel sind heikel und beinhalten viele historische und geopolitische Faktoren. Es dient gemeinsamen Interessen sowohl Chinas als auch der Vereinigten Staaten, und es ist das „gemeinsame Interesse“, welches sich aktuell zum herausragendsten Problem entwickelt hat. Pjöngjangs beharrliche Verfolgung eines Atomprogramms in offensichtlicher Missachtung der Weltmeinungen hat China und die Vereinigten Staaten, einst Feinde während des Koreakrieges, zu kooperierenden Partnern gemacht. Wenn Pjöngjang weiterhin darauf beharrt, seinen eigenen Weg zu gehen, dann würden China und die Vereinigten Staaten zwangsläufig die Sanktionen ausweiten.

Segen und Hoffnung erwartet die nordkoreanische Regierung, wenn sie sich der Grenze von Chinas Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten gewahr bleiben kann. Es ist aufrichtig zu hoffen, dass Pjöngjang versteht, dass China trotz seiner Sanktionen keinen Sturz des Pjöngjanger Regimes beabsichtigt. Obwohl Chinas Sanktionen einige Schwierigkeiten hervorrufen können, wird Nordkorea infolgedessen nicht kollabieren.

Es wäre eine bedauerliche Konsequenz der Geschichte, wenn Pjöngjang mit seinen zwanghaften und unrealistischen nuklearen Ambitionen sowie seinem permanenten Gemurre fortfahren sollte. Für China genießt die Entnuklearisierung Nordkoreas vor allen anderen Interessen Vorrang.

 
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